Umweltfreundliche Unternehmen: Warum eine ökologische Ausrichtung der Wirtschaft immer wichtiger wird

Der Bewusstseinswandel hin zu einer umweltgerechten und ökologisch sinnvollen Ausrichtung einer breiten Mehrheit der Firmenlandschaft ist besonders als historische Entwicklung zu betrachten und in erster Linie als eine Reaktion auf die gesellschaftliche Weiterentwicklung zu verstehen.

Der grüne Wandel: Vom Industriezeitalter zur Servicegesellschaft

Eine der wesentlichsten Veränderungen der Gesellschaft, die durch die Industrialisierung im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts hervorgerufen wurde, war die Umstrukturierung von einer produzierenden zu einer Servicewirtschaft: Waren vor 1890 rund zwei Drittel der Menschen in der Landwirtschaft tätig, bedient der Servicesektor rund hundert Jahre später etwa 65 Prozent der Arbeitsplätze und macht heute auch annähernd zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in Deutschland aus.

Die Industrialisierung bewirkte dabei in der Bevölkerung grundlegend zwei Effekte:

Erstens wurde durch die gesteigerte Produktivität ein wesentlicher Zuwachs des persönlichen, rein finanziellen Wohlstands ermöglicht: Die breite Bevölkerung bekam Zugang zu günstiger Energie, Maschinen und Elektrogeräte wurden durch die hohe Produktivität erschwinglicher und erleichterten gleichzeitig den Alltag.

Zweitens ging ein gesellschaftlicher und sozialpolitischer Wandel damit einher. Denn die Arbeitsbedingungen waren besonders in der Anfangszeit der Industrialisierung unmenschlich und forderten hohe Blutopfer; zudem bewirkten die grauen, zweckmäßigen Industriequartiere eine menschliche Entfremdung. Daraus entstanden die philosophische Strömung des Existentialismus und die Frage, welchen Platz der Mensch im Verhältnis zur Maschine innehat und welche Bedeutung dem Einzelnen zukommt.

Der Erste und Zweite Weltkrieg gelten als schreckliche Höhepunkte der mechanischen Kriegsführung: Der Verbrennungsmotor ermöglichte einen mechanisierten Vernichtungskampf zu Luft, zu Land und zu Wasser von beispiellosem Ausmaß, gleichzeitig wurde erstmals in der menschlichen Geschichte weniger von Auge zu Auge gekämpft, als vielmehr auf Knopfdruck über weite Entfernungen hinweg. Schließlich gipfelte die Grausamkeit der Industrialisierung in der systematischen, maschinellen Vernichtung von Menschen im industriellen Ausmaß in den Konzentrationslagern der Nazis.

Maslow, die UNO und der Umweltschutz

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhob sich eine globale Bewegung, die als direkte Konsequenz der vorherigen 50 Jahre zu verstehen ist:

Einerseits wurde die Dominanz der Maschinen stark diskutiert und die Menschen forderten zunehmend Schutzrechte. Diese Entwicklung wurde zusätzlich begünstigt durch den Anstieg des allgemeinen Wohlstands, der aus dem berühmten Wirtschaftswunder herrührte und beinahe die gesamte Bevölkerung erreichte.

Der US-amerikanische Sozialforscher Abraham Maslow stellte 1943 seine Theorie der persönlichen Entwicklung auf. Entsprechend seiner sogenannten Bedürfnispyramide sind die Menschen nach der Absicherung der rein physischen und psychischen Bedürfnisse wie Nahrung, sicherem Schlafplatz und sozialer Integrität bestrebt, soziale und kulturelle Verbesserungen herbeizuführen.

Vereinfacht ausgedrückt war nach dem Leid der Industrialisierung und der Kriege die Zeit reif für einen Bewusstseinswandel; gleichzeitig ermöglichte eben jene Phase des Leids ein anschließendes Wiederaufbau-Wirtschaftswunder, wodurch gewissermaßen im Laufe von nur zehn Jahren eine breite, solide und weitgehend homogene Mittelschicht entstand, die sich nun den Problemen widmete, die sich für die Gesellschaft in der Zwischenzeit ergeben hatte.

An erster Stelle stand das Bedürfnis nach Schutz und Erhaltung:

So wurden 1946 als übernationales Kontrollgremium die Vereinten Nationen (UNO) ins Leben gerufen, welche zukünftig ein Staaten-Forum bieten sollten, um internationale Konflikte im Vorfeld zu schlichten. Die Formulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 entstand wiederum als direkte Konsequenz auf die Greueltaten in den Konzentrationslagern: Sie sollte erstmals und fortan die Schutzrechte des Einzelnen garantieren.

„Give Green A Chance“ – vom Friedensmarsch zur grünen Partei

Nun folgte eine Zeit, in der sich eine breite Solidarität in der Bevölkerung bildete: Mit Blick auf das Stimmrecht des Einzelnen begannen die Menschen in sogenannten APOs – außerparlamentarischen Organisationen – die politische Organisation der völkischen Stimmgewalt zu bündeln. Zudem kamen mit der Hippie-Bewegung der 1960er Jahre neue kulturelle Einflüsse in die Gesellschaft. Einer der wesentlichsten Einflüsse war eine Art pantheistische Weltanschauung der hinduistischen Religion, dass der Mensch ein untrennbarer Teil eines organischen, lebendigen Planeten ist. Daraus wiederum ergab sich die Erkenntnis, dass die Welt fragil und schützenswert ist – und ein neuer Begriff war geboren:

Das Wort Umwelt – eine direkte Übersetzung des dänischen Begriffs „omverden“ – ist erst seit den frühen 1970er Jahren ein anerkanntes, gebräuchliches Wort. Zuvor hatte man den Planeten schlicht als Lieferant für Ressourcen und Schaubühne menschlichen Handelns betrachtet. Interessanterweise ist die Bedeutung des dänischen Begriffs für Umwelt, „miljø“, gleichbedeutend mit dem der Umwelt und ähnlich dem indischen Konzept der Gaya-Theorie:

Wiederum abgeleitet vom französischen „milieu“ für Mitte geht man in der dänischen Kultur davon aus, dass man als Einzelner das Zentrum seiner persönlichen Welt ausmacht und diese durch die Pflege seiner unmittelbaren Umgebung zu erhalten hat. Dieses Konzept wurde weitgehend übernommen und die Erfüllung der Bedürfnisse des Einzelnen in den Vordergrund gestellt.

Was den grünen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung weiter vorantrieb, war eine Vielzahl von katastrophalen Umweltverschmutzungen, die in den 1960er und 1970er Jahren bekannt wurden. Besonders große Industrie- und Chemiekonzerne hatten im Zuge der Aufrüstung, des Krieges und dem Wiederaufbau jahrzehntelang unter Missachtung der umgebenden Natur und der Arbeiter eine rücksichtslose Produktion aus dem Boden gestampft. Da besonders in den Kindertagen der chemischen Revolution oftmals völlig sorglos mit Rohstoffen und Abfällen aus der Produktion umgegangen wurde, waren weite Teile des Landes im erschreckend hohem Maß regelrecht verseucht:

So gelten die ehemaligen Varta-Werke im ehemaligen KZ Stöcken heute als verseuchtes Gebiet und dürfen nicht ohne Schutzanzüge betreten werden. Hier mussten die Häftlinge im Zweiten Weltkrieg mit bloßen Händen Quecksilber, Cadmium und Blei verarbeiten. Auch BMW ließ Zwangsarbeiter aus KZs ungeschützt mit hochgiftigen Lacken und Abbeizern produzieren, ebenso wie VW. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und Beiersdorf müssen sich für Umweltvergehen im unermesslichen Stil verantworten. Hier geschah die Produktion in den Industriequartieren jahrzehntelang gewissermaßen unter freiem Himmel: Chemikalienabfälle wurden auf riesigen Halden entlang der Anlagen aufgeschüttet, verseuchtes Reinigungswasser direkt in Flüsse geleitet. Eine nicht weniger massive Vergiftung von Böden, Gewässern und Grundwasser wurde zusätzlich durch die von der chemischen Industrie produzierten Düngemittel verursacht, die im zu hohem Maße auf die überforderten Böden ausgebracht und so beim nächsten Regen in giftigen Mengen direkt wieder ausgespült wurden. Mit der Contergan-Affäre verspielte die chemische Industrie schließlich die letzten Sympathien innerhalb der Bevölkerung.

Was die Menschen in den Friedensmärschen, Anti-Atomkraft-Demos und der Umweltbewegung der 1960er und 1970er Jahre verband, war das Bedürfnis nach allgemeiner Sicherheit – und dies schloss erstmals die Natur und den Planeten als schützenswert mit ein. Strukturiert und geordnet in APOs begann die völkische Stimme nun systematisch, die Sicherheit für Mensch und Umwelt einzufordern. So vereinten sich Kriegsgegner, Atomwaffengegner, Atomkraftgegner und Umweltschützer in politischen Bündnissen wie der Bundesinitiative für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) von 1975, bis zur Etablierung einer grünen Philosophie als reale politische Anschauung in einer grünen Partei auf Bundesebene 1980. Als 1986 der GAU in Tschernobyl passierte, wurde als bundeseigene Sicherheitsinstanz für die typengleichen Reaktoren auf deutschem Gebiet nur etwa fünf Wochen später das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ins Leben gerufen und so mit der Gründung einer staatlichen Abteilung für den Umweltschutz etabliert.

Rückblick und Vorausschau: Die Auswirkungen von rücksichtslosen Unternehmen

Mit der Industrialisierung wurde der Gesellschaft zwar ein gewaltiger Sprung ermöglicht, jedoch unter der Aufopferung einer gesunden Umwelt, was zunehmend zu einem ernstzunehmenden Problem heranwächst. Mit der Tertiarisierung, also dem Übergang zur Servicegesellschaft, ergeben sich neue Denkmuster weg von der reinen Produktivität hin zu einer ganzheitlichen Weltanschauung – dem „guten“ Produkt. Zugleich erkennt man nach einem Jahrhundert der extensiven Industrieproduktion erstmals die tatsächlichen Langzeiteffekte auf die Umwelt: Heute gibt es in Deutschland kaum eine Stadt, die über keine Industrieanlage verfügt; gleichzeitig gibt es kaum eine Industrieanlage ohne einen Ausstoß von Schmutz oder Abfall in kritischen Mengen.

Betrachtet man die neueren Industrieskandale rund um marode Kernkraftwerke, fehlende Endlagerungsstätten für Strahlungsmüll, die Umschichtung der Kosten auf den Bürger oder die Verklappung von Atommüll im Mittelmeer und Atlantik, und angesichts eines Jahrhunderts der rücksichtslosen Industrialisierung, gelangt eine breite Mehrheit der Bevölkerung zu der Einsicht, dass Umweltschutz auch und vor allem in den Unternehmen beginnen muss, da diese die größten Verursacher von massiven, nachhaltigen  Verschmutzungen sind.

Grüne Unternehmen: Mehr als nur ein schickes Werbekonzept

Dass eine ökologisch korrekte Produktion und umweltgerechtes Handeln mehr als ein Kostenfaktor im Marketing darstellt, wird bereits vielfach von verschiedenen Unternehmen eindrucksvoll unter Beweis gestellt – nicht zuletzt weil Staaten und Politiker umweltschützende Maßnahmen begünstigen oder gar belohnen und weil sich ein breiter Markt dafür ergeben hat:

So haben die Verbraucher heute ihre Stimmgewalt als Konsumenten entdeckt, und kaufen bewusst und gezielt ihrer persönlichen oder moralischen Einstellung entsprechend. Gleichzeitig strafen sie mit dem Boykott von Waren bestimmte Unternehmen ab, sobald ein Vergehen publik wird – eines der prominentesten Beispiel hierfür ist der Boykott von Shell-Tankstellen im Zuge der Brent Spar-Affäre. Die Unternehmen haben daher seit den 1990er Jahren gelernt, dem Volk aufs Maul zu schauen und sind sensibel geworden für Bewegungen oder Meinungsänderungen in der breiten Bevölkerung. Dies kann auf der einen Seite ein Vorteil sein, wenn dieses Phänomen im Sinne eines innerbetrieblichen Korrektivs dafür sorgt, dass eine Produktion auf Kosten von Mensch und Umwelt gar nicht erst initiiert wird. Auf der anderen Seite führt dies zu Auswüchsen wie dem Greenwashing: Je aufgeklärter der Verbraucher wird, desto intelligenter, einschmeichelnder und vielschichtiger werden Werbekampagnen ausgelegt.

Tatsächlich muss man trotz eines breiten Marktes für grüne Unternehmen und ökologische Produkte als Verbraucher genau hinschauen und die entsprechende Firma gewissermaßen kennenlernen, bevor man sich gewissenhaft entscheiden kann. Dass viele Verbraucher für eine Prüfung auf Herz und Nieren nicht die Zeit oder die Muße aufbringen, damit rechnen einige der Akteure am Markt ganz fest und betreiben gewissenmaßen „business as usual“.

Dass sich jedoch im Gegenzug eine wachsende Anzahl Verbraucher ganz gezielt mit ihrer Kaufentscheidung moralisch auseinandersetzen, ist der Grund für einen wachsenden Markt an tatsächlich ethisch korrekten, umweltgerechten Produkten.