Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, „grün“ zu werden

Bei der realen Umsetzung der grünen Philosophie eines Unternehmens stehen eine ganze Reihe von Maßnahmen und Konzepten zur Auswahl, die bereits hinreichend erforscht und in der Praxis als wirtschaftlich erprobt wurden. An dieser Stelle werden nur einige der übergeordneten Beispiele genannt; es existieren jedoch je nach Branche eine ganze Reihe von Umweltschutzmaßnahmen, Gesetze und Richtlinien für einen ökologische Produktion in bestimmten sensiblen Umfeldern sowie Naturschutzgebiete, wo eine industrielle Produktion völlig ausgeschlossen ist.

Saubere Produktion

Besonders mit Blick auf die gigantischen Anlagen in der chemischen und der produzierenden Industrie sowie dem entsprechend hohen Aufkommen an Abgasen und Klärwasser, ist eine der wichtigsten Maßnahmen der Einsatz moderner Filter in Schornsteinen und Abwasserleitungen. Viele Fabriken haben einen hohen Wasserverbrauch und liegen daher günstigerweise an Flüssen; bestimmte Branchen produzieren jedoch giftige Abwasser, welche oftmals unzureichend gefiltert in den Fluss zurückgeführt werden – Fabriken innerhalb der Papierproduktion, der chemischen Industrie sowie Kohle- und Kernkraftwerke zählen dabei zu den Anlagen mit den giftigsten Emissionen: Neben Polyaromaten und Polychloriden setzen sie ätzende Schwefelverbindungen, die von Menschenhand geschaffene, höchstgiftigen Dioxine sowie nukleare Kontamination frei.

Entgegen weitreichender Gesetze haben jedoch nur sehr wenige Fabrikbesitzer ausreichende Filter im Einsatz. Der Grund ist vielschichtig, doch in erster Linie finanzieller Natur: Die Anschaffung moderner Filter ist sehr teuer, der Einbau erfordert zudem jeweils einen Ausfall der Produktion, da man die Anlage vorübergehend abschalten muss. Darüber hinaus müssen die Filter regelmäßig gereinigt, gewartet bzw. erneuert werden, was wieder Kosten verursacht. Eine bestenfalls als lückenhaft zu bezeichnende Kontrolle von staatlicher Seite eröffnet Fabrikbetreibern paradoxerweise zudem weiten Spielraum, um ein negatives Prüfungsergebnis bei der Kontrolle auszuschließen:

So melden sich die TÜV-Prüfer nicht nur vorher an, der Besitzer der Anlage darf sich sogar selbst aussuchen, welche Bereiche getestet werden dürfen und welche nicht. Da die Kontrolle für den Betreiber der Anlage kostenpflichtig ist, wird darüber hinaus nur auf die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionen getestet. Diese obligatorischen Tests beruhen auf jahrzehntealten Richtlinien und umfassen daher nur einen Bruchteil der heute bekannten Umweltgifte; jede weitere getestete Substanz kostet Gebühren, die der Betreiber der Anlage zu tragen hat.

Ökologischer Einkauf

Weiteres Potential für die Vermeidung von Giften in der Produktion bietet das Konzept der bewussten Rohstoffauswahl. Ein positives Beispiel bietet hier der Nahrungsmittelhersteller Frosta: Das Unternehmen beschloss in einer radikalen Neuausrichtung seiner Produktion die Vermeidung von Rohstoffen, deren Herkunft nicht eindeutig nachweisbar ist. Gleichzeitig sollten künstliche oder chemische Zusatzstoffe vermieden werden und so ein Convenience Product entwickelt werden, dass auch die Zielgruppe der Lebensmittelallergiker erreichen sollte. Schließlich wurde das Konzept mit biologisch-ökologisch erzeugten Agrarprodukten abgerundet und somit eine völlig neue Qualitätsstufe im Tiefkühlmarkt geschaffen.

Angesichts von Gammelfleisch-Skandalen, Analogkäse und einer wachsenden Zahl an Zusatzstoffen wie Glutamat oder Zuckerersatzstoffe, die Hypersensibilität oder Allergien auslösen können, scheint der Zeitpunkt für dieses Konzept perfekt gewählt zu sein: Auch Bioläden und Biomarken verzeichnen eine Hochkonjunktur in der Nachfrage nach unbelasteten, gesunden und möglichst natürlichen Produkten.

Von der Linie zum Kreislauf

Führt man die Idee weiter so folgt aus dem ökologischen Einkauf als logische Konsequenz ein ökologischer Produktzyklus. Lange Zeit galten die Ressourcen der Erde als unerschöpflich. Besonders mit dem Versiegen der Ölquellen und dem zunehmenden Mangel bei seltenen Rohstoffen wie Buntmetallen oder Legierungshilfen wurde jedoch deutlich, dass man von der linearen Produktion zu einem geschlossenen Kreislauf finden muss – das Schlagwort Recycling machte die Runde. Dass das Konzept leider in der Realität immer noch unzureichend umgesetzt wird, führt einerseits zu steigenden Rohstoffpreisen, andererseits zu einem Rohstoffmangel, der den technischen Fortschritt empfindlich zu behindern droht.

So ist es beispielsweise seit einigen Jahren in Deutschland verboten, Elektromüll über den allgemeinen Hausmüll zu entsorgen, weil die wertvollen Buntmetalle und andere Rohstoffe durch staatliche Verordnung wiederverwertet werden müssen. So werden gleichzeitig Abfall und Verbrennungsemissionen vermieden, eine gewisse Unabhängigkeit vom Rohstoffabbau erreicht und ein Produktzyklus geschaffen, der in jedem Fall umweltschonender ist als das bisher übliche Modell der linearen Produktion von der Mine bis zur Deponie.

Eine andere Form der ökologischen Produktion ist die Schaffung eines geschlossenen Produktions-Kreislaufs. Ein typisches Beispiel dafür ist etwa eine firmeneigene Kläranlage, die das für die Produktion benötigte Wasser auffängt, reinigt und so wiederaufbereitet in einem geschlossenen Kreislauf für die Produktion wiederverwandt wird. Ebenso kann durch die Vermeidung von giftigen Rohstoffen eine bedenkenlose, kostengünstige Entsorgung von Produktionsabfällen ermöglicht werden.

Ein anderes Beispiel ist ein Plastik, das auf der Basis von Maisstärke unter anderem von deutschen Herstellern und dem australischen Unternehmen Plantic produziert wird und zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Dieser Kunststoff wird bereits vielseitig angewandt und ist am besten bekannt in Form von Einkaufstüten aus dem Biomarkt oder Verpackungsflocken. Eine Besonderheit des Produkts ist dabei, dass es in der freien Natur ungiftig ist, in Kontakt mit Wasser schnell abgebaut wird – und sogar essbar ist.

Grüner Strom

Viele Unternehmen haben beim Energieverbrauch einen wesentlichen Faktor für eine umweltschützende Maßnahme mit dem Potential für Kosteneinsparungen identifiziert. Dies betrifft vor allem energieintensive Branchen, die über Langzeitverträge zu festen Konditionen an die großen Energieproduzenten gebunden waren. Mit dem Auslaufen der Verträge nutzen nun viele Unternehmenskunden den Wandel auf dem Energiemarkt und vor allem der Öffnung des bundesweiten Strommarkts für Stromerzeuger und Reseller gleichermaßen, bei der Neuverhandlung gezielt Ökostrom zu beziehen – schließlich lässt sich damit auch trefflich werben.

Eigene Stromproduktion aus erneuerbaren Energien

Da jedoch die Abdeckung des Verbrauchs aus firmeneigener Stromproduktion durch beispielsweise Solarzellen oder Wasserkraft technisch derzeit noch nicht zuverlässig möglich ist und kaum eine größere Firma der Schwerindustrie stabil mit hoher Leistung versorgen könnte, ist die hundertprozentige Abdeckung eines Unternehmens aus grüner Energie nur über den Ankauf von Strom aus bspw. norwegischer Wasserkraft über Reseller oder die Frankfurter Strombörse EEX möglich.

Der Betrieb eigener Anlagen kann für Unternehmen jedoch eine nicht unerhebliche Kostenersparnis bedeuten, da man beim regulären Verbrauchsstrom im gewissen Umfang Unabhängigkeit von den Lieferungen der großen Konzerne erreichen kann. Gleichzeitig senden besonders Großkunden ein deutliches Zeichen in Richtung der marktdominierenden Stromkonzerne, wenn sie sich nach Auslaufen der Verträge auf dem Markt für Ökoenergie neu orientieren oder eigene Anlagen zur Stromerzeugung installieren.

Energie sparen

Ein weiteres nicht unerhebliches Einsparpotential bieten sinnvolle Maßnahmen zur nachhaltigen Vermeidung unnötigen Stromverbrauchs.

So kann etwa durch den Einsatz von LED-basierten Leuchtmitteln besonders in Großraumbüros, Lagerhallen und Produktionsbereichen wesentlich beim Stromverbrauch gespart werden. Dabei leidet im Gegensatz zu den gängigen Einsparmethoden – etwa jede zweite Birne in Fluren auszuschalten – nicht die Lichtqualität im Raum. LED ermöglichen dabei eine der Glühbirne ähnlichen Lichtmischung, was dieser Technologie gegenüber den handelsüblichen Sparbirnen einen wesentlichen Vorzug gibt. Dabei ist die Energieersparnis je nach Umfang der ausgetauschten Leuchtmittel trotz derzeit noch relativ hoher Anschaffungskosten der LED-Birnen so hoch, dass sich die Ausgaben in der Regel bereits über ein Betriebsjahr amortisieren.

In Produktionsbetrieben und besonders in der Schwerindustrie kann zudem über eine intelligente Kraftwärmekopplung innerhalb des Betriebs eine höhere Energieeffizienz erreicht werden. Ab einer bestimmten Betriebsgröße ist sogar der Bau eines firmeneigenen Kleinkraftwerks rentabel – dies ist beispielsweise bei Werften oder der stahlverarbeitenden Industrie durchaus üblich.

Beteiligungen an erneuerbaren Energien

Ein anderer Aspekt der umweltfreundlichen Strategie eröffnet auch für kleinere Betriebe und Dienstleistungsunternehmen die Möglichkeit, die Unternehmensphilosophie ökologisch auszulegen und ohne hohe Anschaffungskosten für entsprechende Installationen durchzuführen:

So werden zahlreiche Projekte innerhalb der erneuerbaren Energie als Kommanditgesellschaften gegründet, die Teilhabern und Finanziers bereits ab relativ geringen Anteilskosten in etwa Windkraft-Parks zu investieren. Diese sind professionell geführt und werfen in der Regel vor Ablauf der angepeilten Periode bereits Gewinne ab. Beispiele dafür finden sich in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wo mitunter bis zu 20.000 Anwohner und Kleinstbetriebe gemeinsam wirtschaftliche Großanlagen ins Leben rufen und sich Strom sowie Erlöse teilen.

Emissionenhandel

Für besonders risikoaverse Unternehmen bietet der Emissionenhandel mit CO2-Zertifikaten eine weitere, jedoch zweifelhafte Möglichkeit, eine ökologische Produktion zu erreichen.

Hintergrund ist die Idee, jedem Staat der Erde ein gewisses Quantum an Kohlendioxid-Emissionen entsprechend der Fläche des Landes sowie der Einwohnerzahl zu erlauben; werden die Ausstöße etwa in den industrialisierten Ländern überschritten, können die verursachenden Unternehmen in Ländern mit geringeren Emissionen, etwa in den Entwicklungsländern in Afrika, das Recht ankaufen, eine weitere festgelegte Menge an Kohlendioxid in die Atmosphäre emittieren zu dürfen.

Der Emissionenhandel war allerdings bereits lange vor der Einführung stark umstritten. Denn einerseits ist die exakte Messung der Emissionen tatsächlich unmöglich, man beruft sich daher jeweils auf Schätzungen oder statistisch ermittelte Werte, die nicht unbedingt die realen Ausstöße repräsentieren. Gleichzeitig verzerrt der Emissionenhandel den weltweiten Wettbewerb und vor allem die Entwicklung in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Südamerikas – schließlich sinkt mit jedem verkauften Emissionsrecht das Potential für eine industrielle Entwicklung.

Überdies führte der Versuch, die Emissionen möglichst ganzheitlich zu berechnen zu solch bizarren Phänomenen wie etwa der Messung von CO2- und Methan-Emissionen argentinischer Rinder. Mag dieses Beispiel vielleicht noch belustigend wirken, ist das folgende Wasser auf die Mühlen von misstrauischen Seelen:

So wurde ernsthaft auf politischer Ebene diskutiert, ob man die Emissionen von Babys ebenfalls in die Berechnung einbeziehen müsse. Ein solcher Gesetzentwurf hätte de facto eine Besteuerung der persönlichen Atemluft bedeutet und wurde nach stürmischer Entrüstung schnell wieder fallengelassen. Nichts desto trotz ist der CO2-Emissionenhandel tatsächlich eine höchst fragwürdige Gebührenerhebung für den Luftverbrauch, da dieser einen wichtigen Stoff im globalen Atemrhythmus als pures Gift verteufelt und die Emissionen wirklich giftiger Stoffe wie Dioxine, Kohlenmonoxide und Schwefelverbindungen völlig außer Acht lässt.