Grüne Unternehmen: auf dem Weg zu einer ökologischen Produktionswirtschaft

Die grüne Revolution in der Privatwirtschaft ist bereits weit fortgeschritten und es existieren bereits zahlreiche Betriebe, die durch mutige Vorkämpfer ökologischer und gleichzeitig marktfähiger Konzepte ins Leben gerufen wurden. So gibt es heute eine stabile Basis aus grünen Firmen in nahezu allen Branchen und eine breite Vielfalt an alteingesessen Unternehmen die heute umso intensiver daran arbeiten, den Vorsprung der Wegbereiter aufzuholen.

BMW – gerade noch rechtzeitig grün

Im Frühjahr 2010 durchfuhr ein Raunen den deutschen Aktienmarkt als bekannt wurde, dass die BMW-Leitung unter Federführung der Quandt-Erbin Susanne von Klatten gewissermaßen über Nacht die Crème de la Crème deutscher Karbontechnik-Unternehmen mit massiven Zukäufen an sich zog. Damit hatte sie BMW mit hochwertiger Akkumulatoren-Technik aus dem Varta-Konzern, dem High-Tech-Know-How von Altana sowie dem Leichtbaumaterial Karbonfaser zusammengebracht. Hintergrund war der Plan, mit BMW binnen kürzester Zeit ein Elektroauto als Cityflitzer mit einem Radius von rund 150 Kilometern für die Ballungsgebiete und Großstädte anzubieten – geplant ist die Markteinführung 2011. Damit wäre BMW der erste deutsche Autobauer, der ohne Druck der Bundesregierung eine umweltfreundliche, straßentaugliche und für den Mittelstand bezahlbare Alternative zum Verbrennungsmotor anbieten kann.

Ein Wermutstropfen bringt eine Meldung am Rande mit sich: So hat der ehemalige Bundesumweltminister Joschka Fischer vor kurzem seinen Beratervertrag bei BMW als energiepolitischer Berater vom Herbst 2009 verlängert. Fischer ist über seine Beraterfirma unter anderem für den Stromkonzern RWE in der Nabucco-Angelegenheit tätig gewesen, hat Siemens beraten und ist seit September 2010 auch energiepolitischer Berater der REWE-Handelsgruppe.

Hessnatur

Unter dem Motto „Es ist die Natur, die alles hervorbringt“ rief der Umweltaktivist Heinz Hess 1976 erst das Konzept und dann den Betrieb ins Leben: Bis heute fertigt Hessnatur naturbelassene und unbehandelte Babybekleidung, denn mit dem steigenden Anteil chemiebelasteter Kleidung steigt auch der Bedarf an natürlicher Kleidung. Das Prinzip ist so einfach wie einleuchtend: Je natürlicher die Rohstoffe und Grundmaterialien, desto sauberer auch das Endprodukt.

Diese Selbstverpflichtung für Nachhaltigkeit wurde im August 2010 von der Stiftung Warentest im Rahmen von T-Shirt-Tests mit der CSR-Bewertung „Stark engagiert“ ausgezeichnet. Darüber hinaus ist Hessnatur Mitglied der Fair Wear Foundation, einer Fair-Trade-Organisation, die soziale Standards in den Produktions- oder Konfektionsbetrieben kontrolliert und gewährleisten soll.

GLS Bank

Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) wurde bereits 1974 gegründet und verfolgt eine ethisch-ökologische Philosophie. So werden in erster Linie Projekte unterstützt, die einen Mehrwert für die Gesellschaft mit sich bringen: Infrastruktur, Kultur- und Sozialeinrichtungen, kleine und mittelständische Betriebe und ähnliche.

Die GLS verfügt über besonders hohe eigene Rücklagen und gilt daher als besonders sicher; außerdem ist sie dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken angeschlossen. Erwirtschaftet die GLS in einem Jahr besonders hohe Gewinnerträge, werden diese zuweilen auch gemäß dem Namen der GLS an sinnvolle Projekte verschenkt.

Eine der Besonderheiten der GLS Bank ist die bemerkenswerte Transparenz über eigene Ausgaben und Verdienste, Rücklagen, Sicherheiten und Investitionsziele. Der Anleger hat die Möglichkeit, exakt zu bestimmen, in welche Bereiche, Unternehmen oder Projekte investiert wird. Darüber hinaus werden Kreditnehmer vierteljährlich mit der vollen Darlehenssumme öffentlich gemacht.

NaturStrom

Die NaturStrom AG wurde 1998 von Mitgliedern der Umweltverbände BUND, NABU, BWE und weiteren als erster Anbieter für Strom aus erneuerbarer Energie ins Leben gerufen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat sich auf die Investition in und Errichtung von Wasserkraft- und Windkraftanlagen, Biogas-, Biomasse- und Photovoltaikanlagen sowie den Verkauf der Ökoenergie über die Tochterfirma NaturStromHandel GmbH spezialisiert.

NaturStrom wird regelmäßig mit dem Grüner Strom Label (GSL) der größten Umweltverbände Deutschlands ausgezeichnet und nimmt bezeichnenderweise nicht am CO2-Zertifikate-Handel teil.

Zwergenwiese, Demeter, Bioland

Gesunde Ernährung war immer wichtig, doch mit der erstarkenden Industrie für Lebensmittelchemie seit den 1960er Jahren und der wachsenden Nachfrage für Tiefkühl-Ware wandelte sich das Konsumverhalten so drastisch, dass keine zwanzig Jahre später die typischen Zivilisationskrankheiten einer Wohlstandsgesellschaft auftraten: Ungesunde, übermäßige Ernährung führte zu weitreichenden Erkrankungen und Krankheitsbilder, die zuvor selten waren – Adipösität, Altersdiabetes oder Allergien – betrafen ab den 1980er Jahren eine wachsende Anzahl der Menschen in immer jüngeren Alter.

Die Gegenreaktion kam wenig überraschend aus den Reihen der grünen Protestbewegung und führte zu einem schnell wachsenden Markt von ökologischen Produzenten, die ihre Waren ökologisch bewussten Kunden anboten. Da das Prinzip einfach und sogar kostensparend ist – Dünger, Pestizide und Aufzuchtmedikamente werden vermieden, dadurch entfallen hohe Ausgaben – und der Geschmack besonders bei regional erzeugten Waren deutlich überzeugt, hat der Markt für Biogemüse und Öko-Obst sogar die Fallout-Zeit nach Tschernobyl unbeschadet überstanden.

Der Bundesverband der grünen Wirtschaft: UnternehmensGrün

Der Bundesverband der grünen Wirtschaft,  UnternehmensGrün e. V., ist ein Zusammenschluss von Firmen, Selbständigen und Führungskräften aus ganz Deutschland.

Dieser setzt sich für eine ökologische Ausrichtung und Erneuerung der Wirtschaft ein, will neue ökologische und nachhaltige Konzepte in die politische Diskussion einbringen und durch die Förderung von sozialen Projekten die regionale Wirtschaftsstruktur unterstützen, wobei kleine und mittelständische Betriebe mit innovativen Ideen bevorzugt werden.

So sieht sich UnternehmensGrün auch als Lobbyverband für alle Unternehmen und Firmenleiter, die eine umweltgerecht und sozial agierende Wirtschaft voranbringen und fördern wollen. Gleichzeitig stellt UnternehmensGrün ein Forum für kleine und mittelständische Unternehmen verschiedenen Branchen dar. Der Verein mit Sitz in Berlin zählte 2010 bundesweit rund 220 Mitglieder.